Die Projektarbeit befasste sich mit der generellen Anwendbarkeit existierender Supply Chain Modelle bei Einzelfertigung und versuchte die Frage zu klären, ob bekannte Supply Chain Ansätze eine Reduktion der Durchlaufzeit in der Einzelfertigung bewirken können.

Ausgangssituation
Seit einigen Jahren ist neben vorwiegend innerhalb der Unternehmen wirkenden Ansätzen eine verstärkte Markt- bzw. Kundenorientierung zu beobachten, die eine Optimierung der gesamten Prozesskette beginnend bei der Rohstoffgewinnung bis hin zur Distribution zum Endverbraucher umfasst. Für Einzelfertiger sind von Kunden geforderte verkürzte Lieferzeiten und Just-in-time Lieferungen eine der größten Herausforderungen um am Markt bestehen zu können.

Ziel
Das Projektziel war, durch eine systematische Vorgangsweise zu klären, ob existierende Supply Chain Modelle zur Reduktion der Durchlaufzeit bei Auftragsfertigung eingesetzt werden können. Folglich war es Kernaufgabe die Erfolgsfaktoren zur Durchlaufzeitenreduktion anhand verschiedener Supply Chain Modelle zu bewerten, um folgende Fragen zu beantworten:

1) Welche Erfolgsfaktoren wirken auf die Durchlaufzeit in der Auftragsfertigung?

2) Können existierende Supply Chain Modelle diese Erfolgsfaktoren abbilden?

Umsetzung
In einer tabellarischen Übersicht wurden zuerst die definierten Erfolgsfaktoren zur Durchlaufzeit mittels einer Punkteskala bewertet. Die Erfolgsfaktoren waren vor allem qualitative Faktoren, die über Beurteilung der Anwendbarkeit der verschiedenen Supply Chain Modelle bei Auftragsfertigung und die Festlegung auf ein geeignetes Modell. (SCOR Modell, Advanced Logistic Partnership (ALP) von Frigo-Mosca, European Logistics Association / AT Kearney Studie, Change Method Handbook, "Situation module", APO (advanced planner and optimizer)) Die Bewertung der Beurteilungskriterien ermöglicht eine Reihenfolgebildung der betrachteten Supply Chain Modelle, um deren Eignung für die Auftragsfertigung festzustellen. Die Gewichtung der Erfolgs- und der Einflussfaktoren berücksichtigt die mögliche Einflussnahme auf die Durchlaufzeit. Keines der Modelle hat die Erfolgsfaktoren umfassend abgebildet. Fünf definierte Erfolgsfaktoren wurden von den Supply Chain Modellen gar nicht erfasst, weshalb der Einsatz dieser Modelle ohne Adaptierungen in der Auftragsfertigung nicht Ziel führend gewesen wäre. Lediglich das Modell "Change Method" von Beckmann ist in diesem Fall grundsätzlich zur Anwendung bei Einzelfertigung brauchbar, weil wenigstens die Hälfte der als Erfolgsfaktoren identifizierten Einflussfaktoren von diesem Supply Chain Modell angesprochen und erkannt wurden. Die Frage nach der Reduktion der Durchlaufzeit durch die Anwendung eines Supply Chain Modells soll anhand des Modells "Change Method" beantwortet werden, welches in der Bewertung als geeignetstes Modell hervorgegangen ist. Das Supply Chain Modell von Beckmann adressierte mindestens die Hälfte der Erfolgsfaktoren und ermöglicht eine Rduktion der Durchlaufzeit durch Erkennen und Beschreiben der Maßnahmen zu deren Erfassung, Steuerung und Kontrolle. Die verschiedenen Schritte zur Implementierung des Supply Chain Managements wurden anhand des Methodenhandbuches von Beckmann umgesetzt.

Ergebnis
Resultat war, dass nur das Change Modell von Beckmann für die Anwendung in der Einzelfertigung geeignet ist, da es:

- wenigstens die Hälfte der für die Reduktion der Durchlaufzeit ermittelten Erfolgsfaktoren der Develop-to-order Auftragsfertigung komplett und vollständig abbildet.

- unter Berücksichtigung einer Gewichtung der Erfolgsfaktoren 70 % von diesen abbildet.

- nur fünf Erfolgsfaktoren nicht abgebildet werden. Für die anderen betrachteten Modelle gilt, dass

- weniger als die Hälfte der Erfolgsfaktoren abgebildet werden.

- unter Berücksichtigung einer Gewichtung rund 50 % der Erfolgsfaktoren abgebildet werden.

- ebenfalls jeweils fünf Erfolgsfaktoren nicht abgebildet werden. Wird bei Anwendung des Change Modells in der Auftragsfertigung dieses um die nicht erfassten Erfolgsfaktoren erweitert, und damit ein an die unternehmensspezifischen Erfolgsfaktoren angepasstes Supply Chain Modell entwickelt, stellt dieses erweiterte Modell ein sehr gutes Werkzeug zur Gestaltung einer effizienteren, verbesserten Supply Chain dar. Dies sollte jedoch nicht davon abhalten, durch systematische Analyse von Kundenauftragsfertigungen bestehende Supply Chain Modelle speziell weiterzuentwickeln, um eine höhere Abdeckung der Erfolgsfaktoren zu erreichen und ein allgemeinen anwendbares auftragsspezifisches Supply Chain Modell  zu erhalten.

Arbeitsstunden
keine Angaben

Projektleitung
Dr. Thomas Windischbauer, office(at)fh-steyr.at

Unternehmen
Ebner Industrieofenbau GmbH, http://www.ebner.cc

Kontakt
Dr. Thomas Windischbauer

Bereich
Maschinen- & Anlagenbau

Themenfeld
Supply Chain Strategie